Stromeinspeisung: Regelleistungsmarkt und Intraday-Handel

By 3. Dezember 2018 Allgemein

Wenn es um Energie aus nachhaltigen Energiequellen geht, werfen Kritiker immer wieder das Argument der steigenden Unsicherheit und der größeren Schwankungen am Markt ins Feld. Berechtigterweise, denn nachhaltige Energiegewinnung ist überwiegend wetterabhängig oder von sonstigen, meistens nicht beeinflussbaren, externen Faktoren determiniert. Der Klimawandel und der Rückgang der fossilen Energieträger, lassen allerdings nicht viel Spielraum. Mit anderen Worten, nachhaltige Energie ist die unausweichliche Zukunft der Energie- und Stromversorgung des Planeten. Trotzdem, oder gerade deswegen, müssen Lösungen gefunden werden, den zukünftigen Strommarkt flexibel und gleichzeitig stabil zu gestalten. Zwei Konzepte der Stromeinspeisung und für den Umgang mit Flexibilitäten finden dabei häufig Anwendung. Zum einen die Flexibilitätsvermarktung am Regelleistungsmarkt und zum anderen die kurzfristige Stromeinspeisung über den Intraday-Handel an der Strombörse.

Volatile Strommärkte durch nachhaltige Energieträger

Das europäische und insbesondere das deutsche gilt als eines der stabilsten Stromnetze weltweit. Diese Netzstabilität beziehungsweise  ist Grundvoraussetzung für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft und eine funktionierende Infrastruktur. Um ein stabiles Stromnetz zu gewährleisten, müssen Angebot und Nachfrage an Strom immer aufeinander abgestimmt sein, das heißt einander entsprechen. Kommt es zu unerwarteten Schwankungen ist die Netzwerkstabilität nicht mehr gewährleistet, sofern diese Schwankungen nicht zeitnah ausgeglichen werden.

Nachhaltige ist deutlich weniger kontrollierbar als die durch konventionelle Energieträger. Windenergie kann nur gewonnen werden, wenn Wind weht, Sonnenenergie nur, wenn die Sonne scheint. Im Mai 2018 meldeten Energieversorger beispielsweise Solarstromrekordwerte durch eine Hitzewelle in Deutschland, infolge derer sogar die Kohlekraftwerke ihre Stromproduktion drosseln mussten. Solche Beispiele zeigen, dass je mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen kommt, desto anfälliger wird der Markt für Schwankungen. Es ist davon auszugehen, dass sich der Anteil an nachhaltiger Energie am Energiemix in Zukunft nur in eine Richtung entwickelt – nach Oben. Das macht den gesamten Strommarkt mittel- bis langfristig anfälliger für Schwankungen. In Anbetracht dieser Entwicklungen verdeutlicht sich noch einmal die Notwendigkeit von Konzepten zum kurzfristigen Ausgleich von unerwarteten Schwankungen am Strommarkt.

Stromeinspeisung in Form von Flexibilitätsvermarktung

Wetterabhängige und nicht vorhersehbare Schwankungen können von den Netzbetreibern mittels Flexibilitäten ausgeglichen werden. Diese Regelleistung oder auch Regelenergie beschreibt Energiereserven in Form von Flexibilitäten und wird am Regelenergiemarkt gehandelt. Flexibilitäten beschreiben in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, den Stromverbrauch von Anlagen und Maschinen oder die Produktion von Eigenstrom in flexibel zu gestalten. Das bedeutet, dass , die gewisse Voraussetzungen erfüllen, Regelenergie(-reserven) am Regelenergiemarkt zur Verfügung stellen. Von negativer Regelenergie spricht man, wenn ein Überangebot an Strom besteht und die im Regelenergiemarkt befindlichen Anlagen angekurbelt werden, um dieses Überangebot zu verwerten. Von positiver Regelenergie spricht man wiederum, wenn ein Nachfrageüberschuss besteht und dieser mittels Stromeinspeisung durch die im Regelenergiemarkt vertretenen ausgeglichen wird. Dabei kommt es häufiger zur Stromeinspeisung, um Nachfrageüberschüsse auszugleichen als anders herum.

Unternehmen am Regelenergiemarkt leisten durch flexible Stromabnahme und Stromeinspeisung einen entscheidenden Beitrag zur Netzstabilität. Für den Bereitschaftsdienst bekommen die Unternehmen eine entsprechende Vergütung, unabhängig davon, ob sie letztendlich effektiv Strom einspeisen oder abnehmen. Für die tatsächliche Nutzung von Regelenergie kommt dann eine weitere Prämie hinzu. Welche Unternehmen Regelenergie zur Verfügung stellen dürfen, wird per Ausschreibung durch die Netzbetreiber festgelegt. Die Teilnahme ist dabei häufig nur großen Unternehmen vorbehalten. Verschiedene Anbieter wie beispielsweise Uniper, bieten Stromeinspeisung per Flexibilitätsvermarktung mit Pooling von Kunden Anlagen an, um auch kleinen und mittelständischen Unternehmen einen Zugang zum Regelenergiemarkt zu ermöglichen. Durch das Pooling werden mehrere kleinere Anlagen zu einer großen Einheit zusammengefasst.

Stromeinspeisung mittels Flexbilitätsvermarktung bietet vor allem Zusatzerlöse für produzierenden Unternehmen, Rechenzentren und Eigenstrom erzeugenden Unternehmen.

Stromeinspeisung durch Intraday- an der

Eine weitere Möglichkeit Schwankungen durch kurzfristige Stromeinspeisung auszugleichen, stellt der Intraday-Handel am der europäischen Strombörse in Paris (EPEX) dar. Grundsätzlich ist der Handel mit Strom an der EPEX mit dem Wertpapierhandel an jeder anderen Börse vergleichbar. Der entscheidende Unterschied ist, dass der gehandelte Strom anschließend auch per Stromeinspeisung beziehungsweise Stromabnahme als physisches Produkt transportiert werden muss. Insbesondere große Unternehmen und Eigenstromerzeuger können durch den Intraday-Handel kurzfristig Strom an- und verkaufen. Der Anteil an Eigenstromerzeugern in Deutschland steigt stetig. Seit dem drastischen Fall der Preise für Solarzellen, ist der Anteil an Unternehmen mit eigener Photovoltaikanlage gestiegen.

Eigenproduzenten können ihren Strom auf zwei Weisen verwerten. Viele Unternehmen verwenden den eigenproduzierten Strom selbst, da dieser meistens billiger ist als zugekaufter Strom. Die Alternative dazu ist der Verkauf des Stroms per Intraday-Handel an der Strombörse. Wie bei jeder anderen Börse auch, kommt es beim Intraday-Handel vor allem auf das Timing an. Sind die aktuellen Marktpreise höher als die Kosten für die Eigenproduktion, kann der überschüssige Strom gewinnbringend per Stromeinspeisung verkauft werden. Im Gegenzug kann die Eigenproduktion zurückgefahren werden, sobald die Marktpreise niedriger als die Kosten für die Herstellung von Strom aus eigener Hand sind. In beiden Fällen ist der monetäre Nutzen für Unternehmen gegeben.

Voraussetzung für die Stromeinspeisung und per Intraday-Handel

Neben überschüssigem Strom aus Eigenproduktion handeln Unternehmen auch Flexibilitäten an der Strombörse. Unabhängig von dem Produkt, das letztendlich gehandelt werden soll, steht außer Frage, dass das Handeln an der Strombörse viel Expertise voraussetzt. Flexibilitätspotenziale müssen identifiziert und anschließend im hochfrequentierten Stromhandel gewinnbringend veräußert werden. Außerdem müssen Unternehmen eine Reihe von Kriterien erfüllen, um an der Strombörse aktiv handeln zu dürfen. Dazu gehören beispielsweise eine Börsenzulassung, geeignete IT-Systeme und qualifizierte Mitarbeiter. Viele Unternehmen können diesen Kriterien nicht gerecht werden und müssen daher auf speziellen Anbieter, die Day-Ahead und Intraday-Services zur Stromeinspeisung und Stromhandel im Portfolio haben, zurückgreifen.

Ob überschüssiger Strom oder vorhandene Flexibilitäten per Flexibilitätsvermarktung am Regelleistungsmarkt oder per Intraday-Handel am Spotmarkt angeboten werden sollten, ist situationsabhängig. In jedem Fall helfen beide Konzepte dabei, Schwankungen am Strommarkt kurzfristig auszugleichen und somit die Netzstabilität zu gewährleisten.

 

Ursprünglich publiziert auf: Industrie 4.0.

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